„Sportopia“ wird real

Millionen-Neubau Sportopia vor dem Start

Walter Feucht ist ein Mann mit Visionen. Noch steht der 67-jährige Vorsitzende der TSG Söflingen auf einem regennassen, schmucklosen Parkplatz an der Harthauser Straße in Söflingen, im Rücken die graue Theodor-Pfizer-Halle. Doch vor seinem geistigen Auge sieht er bereits den farbigen Neubau seines ehrgeizigen Sport- und Stadtteilprojektes, der auf und über diesem Parkplatz bis Ende 2019 entstehen soll und die Form eines futuristischen Raumschiffes haben wird. Und weil Walter Feucht Bescheidenheit nicht zu seinen Haupttugenden zählt, hat er das ganze „Sportopia“ getauft. Schon in den kommenden Wochen will er mit dem Bau eines Leuchtturmprojektes für Ulm und die Region beginnen.

Rat entscheidet Ende März

Am 8. März wird sich im Rathaus der Ausschuss für Bildung und Soziales mit dem Thema „Sportopia“ befassen, am 29. März entscheidet der Gemeinderat über die Finanzierung. 2,2 Millionen Euro wird die TSG in die Hand nehmen, der Württembergische Landessportbund soll die Höchstfördersumme von 300.000 Euro dazugeben. Den stattlichen Rest von 5 bis 5,5 Millionen Euro müsste die Stadt Ulm bezahlen, davon allerdings zwei Millionen Euro Darlehen, das die TSG langfristig zurückzahlen will. Erkennen die Gremien das Projekt als förderungswürdig, könnten die Bauarbeiten umgehend beginnen. Mit Blick auf einen Antrag der Grünen sei der Raumbedarf ermittelt und liege der Verwaltung „bis ins Detail“ vor. Der TSG-Vorsitzende versichert: „Die Finanzierung ist gesichert, der Wirtschaftlichkeitsplan liegt bei der Verwaltung.“ Damit seien alle Voraussetzungen erfüllt.

„Tradition ist uns sehr wichtig“, sagt der Mann mit dem graumelierten Bart, „aber wir müssen doch mit der Zeit gehen“. Da ist sie wieder, diese Dynamik, mit der Walter Feucht seine Pläne vorantreibt und für sie wirbt, mit der er auch Besucher durch die labyrinthisch verschachtelte Anlage der TSG Söflingen führt. Mehr als 5600 Mitglieder hat einer der größten Sportvereine der Region, Tendenz: weiter steigend. In den letzten Jahren, so TSG-Geschäftsleiter Jochen Schmitt, habe der Verein 13 Prozent mehr Mitglieder aufgenommen. Und mit Blick auf die neuen Wohngebiete am Eselsberg und Kuhberg, an der Lindenhöhe oder auf der Kohlplatte sei klar, dass der Bedarf stark zunehmen werde.

73 Kurse pro Woche

Walter Feucht wird dabei nicht müde zu betonen, dass „Sportopia“ kein reines Sportprojekt, keine Aneinanderreihung von Hallen sei, sondern ein soziokulturelles Projekt. Und der Blick in die unterschiedlichen Abteilungen der TSG gibt ihm Recht: Hier sind über 80-Jährige bei der rhythmischen Bewegung, dort hopsen Zweijährige munter durch Reifen. 73 Kurse im Gesundheitssport finden wöchentlich statt, es gibt Sportkindergarten, Tanzakademie, Angebote für Asthmakranke. Oder wie es Feucht formuliert: „Hier treffen sich Opa, Oma, die Kleinen und die Tante Marie.“

Die Bedeutung für Söflingen sei die eine, die sportpolitische Dimension für Ulm die andere Sache, so Feucht. Das sieht auch Michael Joukov so. Der Grüne bezeichnet „Sportopia“ als „innovatives Großprojekt“. Gleichzeitig mahnen er und seine Kollegin Sigrid Räkel-Rehner größtmögliche Transparenz an. „Schließlich sind wir gehalten, Steuergelder zu sparen.“

Um jegliche Gerechtigkeitsdiskussion zu vermeiden, hat OB Gunter Czisch verbindliche und für alle gleiche Förderkriterien angekündigt.

Südwestpresse, Harald John, 02.03.2017


Sportopia? Liegt nicht mehr in Utopia. Wenn es nach den Verantwortlichen der TSG Söflingen geht, „können wir morgen loslegen“. Sagt der TSG-Vorsitzende Walter Feucht. Für ihn ist das durch ihn selber initiierte neue Projekt seines Vereins nicht mehr und nicht weniger als ein „Quantensprung im sportsozialen Bereich, eine Sportstätte, wie es sie in dieser Form in Deutschland noch nicht gibt“.

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 So soll sich die multifunktionale Arena „Sportopia“ nach Vorstellungen der Planer und Verantwortlichen des TSG Söflingen einmal von der Harthauser Straße aus präsentieren. Dazu ist es nötig, das Gelände des heutigen Parkplatzes abzutragen.

Dass „Sportopia“ keine Utopie mehr ist, liegt an der ersten großen Hürde, die die TSG überwunden hat. In den Schubladen liegen baureife Pläne, entwickelt von der Langenauer Architekturwerkstatt, und ein Finanzierungskonzept für das mit 8,7 Millionen Euro veranschlagte größte Projekt, das die TSG je vorhatte. Nicht zuletzt lagert auf der Geschäftsstelle an der Harthauser Straße eine grundsätzliche Zusage des WLSB, des württembergischen Landessportbundes, wie der hauptamtliche TSG-Geschäftsleiter Jochen Schmitt erläutert. „Auf der Grundlage der vorliegenden Planung können wir zuschussfähige Kosten von ca. . . . Euro anerkennen. Bei einer Regelförderung von 30 Prozent ist demnach von einem Zuschuss von ca. . . . Euro auszugehen. Nicht berücksichtigt sind Optimierungsmöglichkeiten (zum Beispiel Vergrößerung der Umkleiden). Wir können das Konzept vom Grundsatz her mittragen und sind gespannt auf die weitere Entwicklung.“ Schrieb Marcus Lachenwitzer, zuständig für den Geschäftsbereich Sportstätten, Bewegungsräume und Kommunalberatung beim WLSB.

Die Kosten im Detail sind noch nicht beziffert. Weil eben jetzt im Detail zu klären ist, welche der Gesamtkosten den Kriterien entsprechen, die Landeszuschüsse fließen lassen. An dieser Stelle nun kommt die Ulmer Lokalpolitik ins Spiel. Ulm verteilt seine Zuschüsse nach Vorgaben, die im Benehmen mit dem Stadtverband für Leibesübungen (SfL) festgelegt worden sind. Womöglich übersteigt die finanzielle Größenordnung das SfL-Budget. Jedoch glaubt Feucht auch, dass soziale Fördertöpfe angezapft werden können. Was erwartet die TSG also konkret von der Stadtpolitik?

Auf diese Frage übt sich der TSG-Impressario in für ihn ungewohnter Süßholz-Diplomatie: „Bei unseren Besuchen in den Fraktionen fühlten Jochen Schmitt und ich Zustimmung für das Sportopia. Im Gemeinderat sitzen weltoffene Leute, die den sportsozialen Mehrwert für große Teile der Bevölkerung punktgenau erkannt haben. Natürlich wären wir in der TSG über ein baldiges Go sehr glücklich, denn wir haben alle Vorgaben erfüllt. Wir wollen und wir können bauen.“

Was aber ist „Sportopia“ genau? In einer knappen Denkschrift beschreibt Feucht das Vorhaben so: „Sportopia repräsentiert den Sportverein der Zukunft.“ Dieser könne mit seiner Integrationskraft nicht nur die Generationen miteinander verbinden, sondern ermögliche über den Generationenmix unter einem Dach hinaus auch die Teilhabe Behinderter und die Eingliederung neu Eingebürgerter und von Flüchtlingen.

„Sportopia wird ein modernes gesellschaftliches Zentrum, das weit über den Rahmen von Reha, Gesundheit und Sport hinausreichende Aktivitäten bündelt. Ein Mix aus Sport, Kultur und Bildung soll Gemeinsamkeiten und Erlebnisse im Familienverbund fördern.“

Multifunktionale Arena

Realisiert werden soll dazu eine multifunktionale Arena, ein flexibel und variabel nutzbares Gebäude für kleingliedrige Veranstaltungen ebenso wie große Ereignisse. Feucht spricht von „Nutzungsmöglichkeiten ohne Ende“. Der Schulsport könne tagsüber ebenso Platz finden wie der Breiten-, Profi- oder Trendsport abends.

Die kühne städtebauliche Idee, geschuldet auch den sich zu Ende neigenden Ausdehnungsmöglichkeiten auf dem Vereinsgelände: Von der Harthauser Straße geht es steil hinauf zu den Sportstätten und zur Vereinsgaststätte. Der heutige Parkplatz vor dem Fitness-Studio soll „abgetragen werden, so dass „Sportopia“ das Straßenniveau nicht nur erreicht, sondern ein Stück weit in den Boden hinein gebaut werden soll. Feucht: „Wir sparen also nebenbei auch noch Ressourcen.“

Südwestpresse, Hans-Uli Thierer, 24.10.2016