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Die TSG-Frau geht

Marlis Wursthorn und die TSG Söflingen - das war 25 Jahre lang eins. Die resolute Geschäftsführerin ist eine leidenschaftliche TSGlerin, auch jetzt im Ruhestand. Sie blickt zurück auf "eine tolle Zeit".

Um Marlis Wursthorn in einem Satz zu beschreiben, eignet sich ein Zitat von Walter Feucht. Eine Auseinandersetzung zwischen ihm und der Geschäftsführerin der TSG Söflingen beendete der Vereinsvorsitzende eigenen Worten zufolge mit einer Frage: "Wie heißt der Vorsitzende der TSG? Wursthorn?" Abgesehen davon, dass dieses Zitat auch etwas über den Vorsitzenden aussagt, bringt es Marlis Wursthorns Wirken auf den Punkt. Energiegeladen, durchsetzungsstark, unermüdlich, voller Leidenschaft und neuer Ideen war sie ganz wesentlich dafür verantwortlich, den Verein zu dem zu machen, was er heute ist.

Und das ist weit mehr als ein Stadtteil-Sportverein. Die TSG Söflingen war in vielen Bereichen Vorreiter, ob es der Sportkindergarten war, die Kinder-Sport-Schule, das Ferienprogramm. Die TSG ist ein Verein für jede Lebenslage und jedes Alter, von der Schwangerschaftsgymnastik bis zur Fitnessabteilung für Senioren.

Sicher, viele Ideen stammen von ihr, und darauf ist sie stolz. Ganz wesentlich für den Erfolg seien aber auch andere, betont sie: Mitarbeiter - "ohne dieses super Team wäre nichts gegangen" - und der jeweilige Vorsitzende. Marlis Wursthorn hat zwei erlebt: den Söflinger Übervater Udo Botzenhart und eben Walter Feucht. Bei allen Unterschieden eint die beiden eines, sagt die Geschäftsführerin: "Sie haben mich frei laufen lassen." Zum Wohl des Vereins, wie sich gezeigt hat. Auseinandersetzungen wie die eingangs geschilderte waren also selten.

Botzenhart war es auch, der die junge Marlis Wursthorn in die Geschäftsstelle holte. Die Düsseldorferin war zur AEG nach Ulm versetzt worden, lernte im Betrieb ihren späteren Mann kennen, bekam eine Tochter. Als die noch klein war, fing die Mutter 1985 als Übungsleiterin bei der TSG an. Sport gehörte schon immer zu ihrem Leben, und in ihrer Jugend war sie Leistungsschwimmerin. 1988 holte Botzenhart Marlis Wursthorn dann zusätzlich halbtags in die Geschäftsstelle. "Er hat gesagt: Die kann mehr als Sport."

1996 beförderte Feucht sie zur Geschäftsführerin. Feucht und Wursthorn, das passte durchaus. Beide sind kreativ, beide reden Klartext. An Feuchts Worte erinnert sie sich so: "Du Kleine, Du machst das jetzt. Und wenn es nicht klappt, schmeiß ich Dich raus." Nun, es klappte. Von Rausschmiss war nie mehr die Rede, im Gegenteil: Gestern Abend verabschiedete Feucht die 65-Jährige mit lobenden Worten in den Ruhestand. Ein Abschied, der ihr nicht leicht fällt, obwohl sie sagt: "Es ist Zeit, dass die Jungen übernehmen und in die Zukunft schauen. Das ist schon gut so." Der Nachfolger ist längst da: Jochen Schmitt.

Nie stillstehen, Trends setzen und nicht nachmachen, immer Ausschau halten nach neuen Angeboten, die zur gesellschaftlichen Entwicklung passen - das war Marlis Wursthorn immer besonders wichtig, das ist das Erfolgsrezept des Vereins. Gleichzeitig achtete sie stets darauf, dass die Finanzen stimmen. Und der Zusammenhalt im Verein, "wir sind eine große Familie". Der wird sie weiter angehören, nur eben nicht mehr als Geschäftsführerin.

Autor: CHIRIN KOLB | 01.07.2011 | Südwestpresse Ulm | Foto: Matthias Kessler