Der 1. Vorsitzende

Walter Feucht

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Artikel vom 13.09.2006 aus SÜDWEST AKTIV

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AUSZEICHNUNG / OB Gönner überreicht Feucht das Verdienstkreuz

Einer, der nicht bloß sagt: Mr sott

Als Mann, der sich mit persönlichem, aber auch finanziellem Einsatz ums
Gemeinwesen verdient macht, würdigten OB Gönner und Alt-Stadtrat
Botzenhart den Unternehmer, Vereinschef und Mäzen Walter Feucht. Anlass:
die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an Feucht.

HANS-ULI THIERER

"Sie sind ein Beispiel dafür, dass man nicht nur sagt: Mr sott. Sie
strecken eine Hand aus." Mit diesem Bild charakterisierte Ivo Gönner
gestern im Rathaus Walter Feucht. Dem 57-jährigen Unternehmer hat
Bundespräsident Horst Köhler das Bundesverdienstkreuz verliehen, das ihm der Ulmer OB im Beisein von 100 Freunden und Wegbegleitern und unter schmissigen Klängen eines Saxophon-Quartetts der Ulmer Knabenmusik überreichte.

Die Auszeichnung erfolgte, weil Feucht nicht nur einen Betrieb führt, sondern am wirtschaftlichen Erfolg auch die Öffentlichkeit teilhaben lässt, indem er als großzügiger Sponsor in Sport, Kultur und im Sozialbereich auftritt. Mehr noch, so Gönner: Feucht opfere auch eine
Menge seiner spärlich bemessenen Freizeit für das Gemeinwesen; als Vorsitzender der TSG Söflingen, die unter ihm zum zweitgrößten Sportverein in der Region wurde; als Organisator der Benefiz-Reihe "Knallbonbon" zu Gunsten der Erforschung kindlicher Leukämien.

Vorgänger des gebürtigen Söflingers an der TSG-Spitze war Udo Botzenhart, der freilich noch viel mehr ist für Walter Feucht: politischer Ziehvater und persönlicher Freund. Dem Alt-Stadtrat und Grandseigneur der Ulmer Kommunalpolitik war es vorbehalten, namens aller Gäste zu sprechen, an die sich Botzenhart in der ihm eigenen Art wandte: Er erinnerte an 1952, als
in einem noch kriegsverwundeten Land mit dem Lastenausgleich-Gesetz der Grundstein für das Wirtschaftswunder gelegt wurde. Mehr denn je wäre es nötig, die Idee des Lastenausgleichs wieder in Schwung zu bringen, um das Land durch ein neues Zusammengehörigkeitsgefühl nach vorn zu tragen. Für all das stehe Feucht beispielhaft, der sich das öffentliche Wohl auch
richtig Geld kosten lasse. Botzenharts unausgesprochene Botschaft an diejenigen im Publikum, die es sich leisten könnten: Macht es ihm nach, tut es ihm gleich.

Und der Ausgezeichnete? Sagte, er habe Schwierigkeiten gehabt, das Verdienstkreuz anzunehmen. In solchen Fällen aber stehe ihm dann "der Udo" ratend zur Seite. Nunmehr begreife er die Ehrung auch als Auszeichnung für seine Mitstreiter und sei daher stolz darauf. Im übrigen: "Ich habe nicht gewusst, was für ein wunderbarer Kerle ich bin."

 

LEBENSWEGE / Verdienstkreuz für Walter Feucht
Mit kleinen Brötchen gibt er sich nie zufrieden

Walter Feucht zählt als Unternehmer und Privatmann zu den schillernden Figuren der Stadtgesellschaft. Heute bekommt er das Bundesverdienstkreuz.

HANS-ULI THIERER

Walter Feucht ist ein erfolgreicher Backmittel-Unternehmer und als Privatmann einer, der ungern kleine Brötchen backt. Archivfoto
Das Leben ist zu kurz, um sich zurückzulehnen. Dieses Motto beherzigt Walter Feucht an vielen Fronten: als Unternehmer ("Uldo Backmittel"), im Ehrenamt (Vorsitzender der TSG Söflingen, Kurator der Deutschen Sporthilfe), als Sponsor (im Jugendsport genauso wie in der Kultur und im Sozialen), als Benefizveranstalter ("Knallbonbon", das seit 1987 einen Millionenbetrag zur Erforschung kindlicher Leukämien eingespielt hat), als Wegbereiter (etwa eines Sport-Kindergartens).
Wäre Feucht ein Mann der Kultur, würde man von einem Gesamtkunstwerk reden. Er ist aber ein Mann der Wirtschaft und des Sports und deswegen ist es das Gesamtwerk, das Würdigung findet: OB Ivo Gönner überreicht dem gebürtigen Ulmer Feucht heute (11 Uhr, Rathaus) das durch den Bundespräsidenten verliehene Bundesverdienstkreuz. Weil Walter Feucht ein Mann von natürlicher Unruhe und ständigem Antrieb ist, kommt er meist rasch voran. Das führt nun auch dazu, dass ihm die honorige Auszeichnung im dafür relativ jungen Alter von 57 Jahren zuteil wird.

Feuchts Erfolg gründet auf Backmitteln und -mixen, die er in seiner Firma Uldo in Neu-Ulm sowie in Fabriken in Melrose/USA und Krakau/Polen herstellen lässt. Uldo beschäftigt 120 Menschen. Das Unternehmen hat mit den höchsten Umsatz pro Mitarbeiter im Backmittelverband. Zahlen nennt Feucht nicht, legt dafür lieber als guter Gewerbesteuerzahler ein Standortbekenntnis ab. "Der Stammsitz bleibt in der Region. Ich habe Deutschland gebucht", sagte er einmal.
Er hat sein Glück selber geschmiedet, stieg klein als Lkw-Fahrer und Bäcker ein und übernahm den Betrieb 1983. "Gekauft, nicht geerbt", wie er betont - um damit auszudrücken: Mit Geld, das er selber verdient hat. Sein Glücksfall wurde die Backmischung Jogging-Brot, mit der Feucht weltweit reüssiert.
Das Naturell dieses Mannes verlangt es, sich nie mit kleinen Brötchen zufrieden zu geben. Mit Energie, Kraft und, wenn nötig, auch mit Geld kämpft er für die TSG Söflingen im Allgemeinen und im Besonderen dafür, dass die Handballer die zweite Bundesliga erreichen. Über den Handball möchte er eine der Niederlagen ausmerzen, die auch im Leben eines Erfolgsmenschen nicht ausbleiben: Feucht konnte als ein Verantwortlicher vor fünf Jahren den Niedergang des Ulmer Fußballs nicht aufhalten.
Zwar kein Misserfolg war für den Vater zweier erwachsener Töchter sein Gastspiel in der Kommunalpolitik. Weil am Ende aber nichts gewonnen war, sieht er die Jahre zwischen 1999 und 2004 kritisch als eine Zeit an, in der er wenig bewegen konnte. Das mag daran liegen, dass Kommunalpolitik oft ein Geduldsspiel ist, weil zäh um Kompromisse gerungen wird. Geduld aber gehört nicht zu den Stärken Feuchts, denn für Geduld ist das Leben zu kurz. Logische Konsequenz: Feucht zog sich nach einer Legislatur als Stadtrat zurück.

Erscheinungsdatum: Dienstag 12.09.2006